Max Uwe Redler Stiftung Hamburg

Susanne Hahn

 

Prof. Dr. Susanne Hahn

Susanne Hahn hat mit ihrer Habilitationsschrift Rationalität. Eine Kartierung (2013) die wohl gründlichste und präziseste Abhandlung zum Thema in der deutschsprachigen Philosophie der vergangenen Jahrzehnte vorgelegt. Die systematische Explikation des Rationalitätsbegriffs bietet durch transparente Erörterungen und deren umsichtige Einordnung eine gute Orientierung in einer zunehmend diversifizierten Gegenwartsdebatte. Für diese außerordentliche Monographie vergibt die Max Uwe Redler Stiftung den Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik 2017 an Susanne Hahn.

Das Werk Rationalität. Eine Kartierung zeichnet sich durch eine beeindruckende Kenntnis der Verästelung der zeitgenössischen philosophischen Debatten um die Rationalität aus und weist einen Weg zwischen teleologischem und deontologischem Denken in der praktischen Philosophie. Hier wird ein großer Bogen von analytischen Detailuntersuchungen zu einer Auseinandersetzung mit der Handlungstheorie Max Webers und den Grundlagen der deontologischen Ethik geschlagen. Susanne Hahn geht von der Vieldeutigkeit, Dehnbarkeit und Unbestimmtheit des Rationalitätsbegriffs aus, den sie mit beeindruckender Exaktheit in kleinteiligen Analysen seiner tatsächlichen Gebrauchsweisen durch ein methodologisch reflektiertes Verfahren der sprachpragmatischen Explikation einer Klärung zuführt. Dabei erweist es sich als notwendig, den Anspruch auf einen Universalbegriff des rationalen Handelns zugunsten differenzierter Rationalitätstypen zu verabschieden, deren Parameter und Funktionsweisen je spezifisch bestimmt sind. Skizziert wird so eine Theorie rationalen Handelns, welche als Element einer umfassenden Handlungstheorie und als Grundlage einer methodologisch reflektierten Ethik begriffen werden kann. Susanne Hahn weist sich durch diese Arbeit als methodologisch problembewusste, präzise argumentierende Theoretikerin aus. Ihre Grundlagendiskussionen sind in gleichem Maße dazu angetan, das Verständnis des Erkennenden wie das Selbstverständnis des Handelnden aufzuklären.

Neben ihrer Monographie zum Rationalitätsbegriff hat sich Susanne Hahn auch in anderen Bereichen der praktischen Philosophie profiliert. Einer ihrer weiteren Forschungsschwerpunkte liegt im Bereich der Wirtschaftsethik. Dort untersucht sie vor allem die Methoden wirtschaftsethischen Argumentierens. Darüber hinaus befasst sich Susanne Hahn mit verschiedenen Aspekten der Normativität, indem sie sich mit dem Charakter von Normen und Normsystemen auseinandersetzt. Bereits in ihrer Dissertation, Überlegungsgleichgewicht(e). Prüfung einer Rechtfertigungsmetapher (2000), beleuchtet sie eine wichtige Argumentationsfigur der Politischen Philosophie und Ethik. Mit diesem Werk hat Susanne Hahn eine wertvolle Studie im Bereich der Methodologie der praktischen Philosophie vorgelegt.

Susanne Hahn ist seit 2016 Professorin für Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wo sie zuvor eine eigene Stelle im DFG-Projekt „Ein Rahmen für die Wirtschaftsethik – Methodische Grundlagen und Regeln“ innehatte. Sie ist eine Wissenschaftlerin, die durch ihre hervorragende Grundlagenarbeit und analytische Präzision beeindruckt. Das Werk Rationalität. Eine Kartierung ist ein herausragender Beitrag, der auch über die Disziplingrenzen der Philosophie hinaus Ordnung in die Wirrungen um die Rationalität und damit frischen Wind in die teilweise verhärteten Fronten im Gebrauch des Rationalitätsbegriffs bringt. Diese Leistung macht Susanne Hahn zu einer geeigneten Preisträgerin des Deutschen Preises für Philosophie und Sozialethik 2017.

Foto © Lukas Piel / HHU